Samstag, 19. November 2016

[Secret love] Kapitel 5


Kapitel 5 (Sarah)



Draußen wurde es erst hell, doch ich lag schon seit einer knappen halben Stunde wach im Bett. Der Grund für das liegende Dasein meinerseits war zum einen das Bett, welches sich als Wasserbett herausstellte und zum anderen der Gedanke, dass dies meine letzte Möglichkeit war in einem solch glamourösen Zimmer meine Zeit verbringen zu dürfen. Erst als die Glocken der benachbarten Kirche zur nächsten vollen Stunde schlug, stand ich gezwungenermaßen auf und ging keine halbe Stunde später in den prunkvollen mit Swarovskisteinen dekorierten Speisesaal, wo mich eine große Auswahl an Speisen erwartete. Ich lud mir mein Frühstück auf einen Teller und setzte mich auf die Terrasse, denn ich wollte mir das italienische Flair und das Treiben auf den Straßen aufsaugen.

Als ich gerade dabei war mir mein Cornetto schmecken zu lassen, trat ein junger Mann an meinen Tisch und sprach mich mit seinem perfekten italienisch an.

»Buon giorno signorina. Gradisce compagnia?« Da er bemerkte, dass ich ihn nicht verstanden hatte, zeigte er auf den freien Stuhl neben mir und dann auf sich.

»Oh. Si. Take a seat!«, sagte ich verlegen und lächelte. Er nahm Platz und stellte sein Tablett mir gegenüber ab.

»Schöne Stadt. Sehr beeindruckende Architektur. Besonders das Kolosseum«, merkte der fremde Mann an, als er meinen starren Blick auf die Straßen Roms bemerkte.

»Ja. Rom hat viel mehr zu bieten als die Küche.«

»Alleine hier? Ich bin übrigens Alessandro«, stellte sich der Mann vor, der in meinem Alter zu seien schien.

»Sarah. Ja bin alleine hier.«

»Was macht eine so schöne junge Signorina alleine in Rom?«

»Nun Allessandro, ich bin so in der Art geschäftlich hier.«

»Oh. Klingt spannend. Was bist du von Beruf?«

»Ich bin zwar Schülerin, aber ich betreibe einen Bandblog. Aus diesem Grund bin ich auch für dieses Wochenende in Rom.«

»Bandbloggerin? Dann bist du bestimmt die Bloggerin, von der momentan alle reden?«, wollte er von mir wissen. Wie ertappt nickte ich.

»Das ist ja eine Überraschung. Benevento in Italia«, hieß er mich in seinem Heimatland willkommen.

»Darf ich nun die Dame einladen auf eine Entdeckungstour durch Rom?« Da mir so und so nach einer Sightseeingtour durch Rom zu Mute war, nahm ich seine Einladung an. So geschah es, dass ich mit einem Mann, den ich erst seit einer halben Stunde kannte, durch die kleinen Gassen Roms laufe. Alessandro erwies sich als guter Touristenführer, denn er zeigte mir auch abseits des Touristenrummels die Schönheit Roms von der anderen Seite. So besuchten wir den Trevibrunnen und kosteten vom Tiramisu einer italienischen Konditorei. Beides konnte ich nach diesem Besuch nur wärmstens empfehlen. Nach weiteren drei Stunden Sightseeing verabschiedete ich mich von meinem Stadtführer. Als Erinnerung für jeden schossen wir noch Selfies. Dabei musste ich ihm versprechen, dass ich mein Selfie mit ihm auf den Blog hoch lade.



Nachdem ich wieder in meinem Hotel angekommen war, packte ich meine Tasche für das Treffen. Darin befanden sich jetzt Fotoapparat sowie Notizblock samt Kugelschreiber und natürlich mein Handy. Apropos Handy. Ich warf einen Blick auf mein Mobiltelefon, doch es gab kein Lebenszeichen von Tobias. Die einzige Nachricht seit gestern kam von meiner Mutter, die sich über meinen Gemütszustand erkundigen wollte. Als ich ihr gerade zurück simsen wollte, läutete das Telefon.

»Miss Auer, entschuldigen Sie die Störung, aber Marco steht in der Eingangshalle und erwartet Sie bereits«, ließ sie der Hotelmitarbeiter wissen. Ich bedankte mich und griff hastig zu meiner Tasche und ließ die Tür ins Schloss fallen. Keine Minute später begrüßte ich Marco und wir gingen zum Auto.

»Sind Sie schon aufgeregt?«

»Eigentlich schon ein wenig, denn es ist keine Selbstverständlichkeit seine Idole kennenlernen zu dürfen.«

»Das stimmt. Das kann ich bestätigen.«

»Ich bin eigentlich vollkommen gespannt darauf, wie die Jungs so ticken. In den Interviews kommen sie mir nämlich sehr sympathisch vor und ich möchte das gerne herausfinden.«

»Na dann los. Wir sind nämlich schon da.«

»Was?« Ich warf einen Blick aus dem Fenster. Tatsächlich konnte ich schon die Eingangstür des römischen Olympiastadions sehen. Mir kam die Fahrt gar nicht so lang vor. Ich bedankte mich und stieg aus. Aus der Ferne hörte ich Marco mir viel Spaß zu rufen.



Schon an der Tür fragte mich ein Sicherheitsmann nach meinem Ausweis. Den Gefallen tat ich ihm und so wechselte die Karte für einen kurzen Augenblick den Besitzer. Der Muskelprotz nickte und meinte, dass das Management mich schon erwarten würde. Er zückte sein Mobiltelefon und rief eine Ablösung an. Nach zwei Minuten des Wartens, kam endlich die Ablösung und so konnte mich der starke Mann zu dem Ort des Treffens begleiten.

»Die Band wartet im Empfangsraum zusammen mit einer Frau von Fabulous Music Management. Ich führe Sie hin.«

»Vielen Dank.«



Als wir die Stiege, die in den Keller führte, hinter uns ließen, hörte ich schon die ersten Stimmen und lautes Gelächter aus dem hintersten Raum dringen. Die Band hatte demnach viel Spaß da drinnen und ich konnte es kaum erwarten Teil dieser Gruppe zu sein. Nur noch wenige Schritte war ich von meinen Idolen entfernt und ich hörte mein Herz schneller schlagen. Der Sicherheitsmann warf mir einen sorgsamen Blick zu. Bevor ich aber den Weg durch die Tür antritt, holte ich tief Luft. Ein. Aus. Ein. Aus. Je länger ich diese Übung absolvierte, desto ruhiger und gelassener wurde ich. Ohne zu merken, machten sich meine Füße selbstständig und schon stand ich in diesem riesigen Empfangsraum.



»Oh, hallo Sarah. Schön, dass du gekommen bist. Vorstellen brauch ich dir die Jungs eh nicht. Am besten gesellst du dich einfach zu ihnen«, begrüßte Franziska mich.

»Hallo Jungs. Ich bin Sarah Auer. Ich stecke hinter eurer Fanaktion. Schön euch kennenzulernen.«

»Hallo Sarah. Schön dich endlich kennenzulernen. Ich bin Philipp«, begrüßte der 22-jährige Sarah. Er kam zu mir rüber und umarmte mich. Auch Michael kam nun auf mich zu begrüßte und zog mich zu sich. Für mich war es irgendwie unerwartet von diesen Musikern umarmt zu werden, doch ich genoss es. Auch das jüngste Mitglied der Band, Kevin, bahnte sich seinen Weg zu mir und hieß mich im Backstagebereich willkommen.

»Wo ist denn Jonas schon wieder? Habt ihr ihm nicht erzählt, dass Sarah heute zu Besuch kommt?«, wollte Franziska von den dreien wissen.

»Keine Ahnung wo er ist Franzi. Vielleicht übt er wieder.«

»Welches Lied versucht er diesmal? Micheal, geh ihn bitte holen.« Der Sänger stand auf und machte sich auf die seines Kollegen. Während er also Jonas aufspürte, gesellte ich mich zu Kevin und Philipp. Die beiden unterhielten sich über das heutige Konzert und dessen Setlist.

»Ich bin gespannt, wie die italienischen Fans drauf sind. In welcher Reihe sitzt du eigentlich Sarah?«, fragte mich Philipp.

»In der ersten. Dank euch. Vielen herzlichen Dank nochmal.«

»Jetzt hör aber auf. Wir haben zu danken. Wie toll du das Konzert in Berlin und Zürich gemacht hast. Wahnsinn. Wie kamst du eigentlich auf die Idee?«

»Nun. Ich wollte mal euren Fans die Möglichkeit geben, teil von etwas ganz Großem zu sein und nebenbei sich bei euch zu bedanken.«

»Das klingt spannend. Das gute ist, dass du genau das richtige getan hast.« Dieser Satz brachte mich aus dem Gleichgewicht. Mein Lächeln verschwand. Vor ein paar Tagen hatte Tobias genau das als Fehler bezeichnet. Wem sollte ich nun trauen?

»Hab ich was Falsches gesagt?«, fragte Philipp besorgt.

»Nein hast du nicht. Es hat nur etwas mit meinem Freund zu tun. Ist aber eine lange Geschichte.«

»Oh. Das tut mir leid. Ah da kommen sie ja.« Aus dem Gang, den vorher gekommen war, hörte ich nun Stimmen und Gelächter. Kurze Zeit später stand neben Michael ein großgewachsener, leicht muskulöser junger Mann. Ich wusste sofort, dass es Jonas war. Er war ja auch mein Liebling. Ihn würde ich aus hundert Metern Entfernung erkennen.

»Oh, hey. Sorry aber ich war gerade im Lernfluss.«, begrüßte mich der älteste der Band. Auch er kam zu mir rüber und umarmte mich.

»Kein Problem. Kann ich verstehen. Was hast du diesmal gespielt?«, erkundigte ich mich interessiert.

»“Just the way you are“ von Bruno Mars. Einem wirklich schönen Song wie ich finde. Aber schön, dass du da bist.« Er fixierte mich mit seinen grünen Augen. Mir lief leicht die Gänsehaut über den Rücken, aber ich ließ mir nichts anmerken.

»Das finde ich auch«, bestätigte ich.

»Unglaublich was du mit dem Stadion gemacht hast. Wie lang hast du gebraucht, bis du das gewünschte Ergebnis bekommen hast?«

»Danke. Schön, dass es euch gefällt. Es dauert schon eine ganze Weile, da man ja das ganze berechnen muss. Die Flaggen des jeweiligen Landes, welche die Oberränge des Stadions zieren, benötigten schon seine Zeit, aber am schwierigsten zu koordinieren, finde ich aber dennoch die Stehplätze, da man nie sicher sein kann, wie viele Menschen kommen«, erklärte ich professionell. Ein Blick durch meine Umgebung, verriet mir, dass alle im Raum anwesenden meinen Worten lauschten und an meinen Lippen hingen. Das fand ich beeindruckend.

»Fantastisch. Zieh wirklich meinen Hut vor dir Sarah. Vielen herzlichen Dank, dass du heute unser Gast bist. Das bedeutet uns sehr viel«, bedankte sich Philipp und alle anderen Mitglieder nickten.

»Gruppenumarmung!!!!«, schrie Jonas. Trotz seines Alters wollte dieser nie wie seinem Alter entsprechend benehmen. Er hatte noch immer diesen kleinen Hang ins kindische. Aber genau das imponierte mir irgendwie. Da keiner seinen Wunsch abschlagen konnte, kamen alle auf mich zu und schlossen ihre Arme um mich. Die unerwartete Nähe meiner Idole ließ meine Knie weich werden und das Blut in meine Wangen schießen. Nie hätte ich geglaubt, dass ich diese heute umarme. Hätte jemand mir das vor einem Jahr gesagt, würde ich ihn als Dummkopf beschimpfen. Das war und ist ein Traum, der heute in Erfüllung ging. Das dieser Traum noch nicht zu Ende war, sondern erst anfing, konnte ich in diesem Moment noch nicht erahnen.


 

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