Samstag, 1. Oktober 2016

[Secret love] Kapitel 4


Kapitel 4 (Sarah)



»Letzter Aufruf für den Flug nach Rom Ciampino. Bitte kommen Sie zum Gate 25.«

Ich packte hastig mein Handgepäck und veränderte meine Gangart vom Gehen ins Laufen. Ich lief. Schnell und unkontrolliert. Die anderen Menschen, die sich auf den Gängen tummelten mussten mir ausweichen. Ich sah nur mehr meinen Weg vor mir. Die anderen hatte ich geschafft auszublenden. Ich lief als ginge es um Leben und Tod. Meine Augen glänzten als ich das Gate mit der Nummer 25 auftauchen sah. Ich legte zum Schluss noch einen Sprint ein bevor ich keuchend vor der Mitarbeiterin der Fluggesellschaft stehen blieb.

»Ihr Name bitte?«

»Auer Sarah. Hier ist mein Ticket«, antwortete die junge Dame noch keuchend. Dankend nahm die Frau des Bodenpersonals der Fluggesellschaft das Blatt und zog es einmal über den Scanner. Nachdem sie mir es zurückgegeben hatte, wünschte sie mir einen angenehmen Flug und schloss danach das Boarding.



Als ich die Maschine betritt suchte ich meinen Platz und fischte danach den Laptop aus dem Koffer. Ich fuhr ihn hoch um noch schnell meine Emails zu checken. Tatsächlich war eine E-Mail in meinem Posteingang. Das Management wünschte mir einen angenehmen Flug und teilte außerdem mit, dass jemand mich in Rom erwarten wird. Glücklich über diese nette Geste und über die Ankündigung klappte ich den Laptop zu und fiel in einen angenehmen Schlaf.



»Buon giorno signorina. Come sta?«, begrüßte ein junger Mann mich, der vor kurzem noch ein Schild mit meinem Namen in der Höhe gehalten hatte.

»Grazie. Bene. Parla tedesco o inglese? Mio italiano è non perfetto«, entschuldigte ich mich für meine nicht vorhandenen Italienischkenntnisse.

»No problemo. Hatten Sie einen angenehmen Flug?«, antwortete dieser nun auf Deutsch. Ich lächelte erleichtert und nickte. Er griff nach meinem Koffer und zusammen gingen sie zu einem roten Skoda, der gleich neben dem Eingang stand. Der Mann, der sich zuvor noch als Marco vorgestellt hatte, erklärte mir, dass er mich nun ins Hotel bringen würde. Dort könne ich mich frisch machen und er würde mich später abholen kommen, da das Management mich zuvor kennenlernen möchte. Wieder nickte ich.



In dem Hotel angekommen bedankte ich mich bei Marco und ließ mich von der Rezeptionistin meine Schlüssel geben und den Weg beschreiben. Kurze Zeit später schloss ich die Zimmertür auf und ließ fassungslos die Tasche fallen. Vor mir eröffnete sich ein geräumiges Zimmer mit einem Himmelbett und weißen Möbeln. So hatte ich mir mein Zimmer sicherlich nicht vorgestellt. Dieses Hotelzimmer ähnelte eher einer Suite als einem stinknormalen Zimmer. Ich schloss hinter mir die Tür und begann mit der Entdeckungstour. Das Bad bestand hauptsächlich aus blauem Marmor und hatte einen großen Spiegel. Es trotzte nur so von Luxus. Ich als Schülerin hatte mir nie träumen lassen, einmal in einem solch schönen Zimmer meine Nacht verbringen zu können. Nun galt es einen Blick auf das Schlafzimmer zu werfen. Auch hier waren überall Luxusmöbel vorhanden. Das Himmelbett war sowie die anderen Gegenstände in diesem Zimmer in weiß gehalten. Alles sah sehr edel aus. Ich setzte mich auf das Bett und ließ mich langsam zurückfallen. Es war weich. Entweder lag es an einer supersoften Matratze oder daran, dass es eventuell ein Wasserbett war. In diesem herrlichen quadratischen Bett würde ich sicherlich einen schönen Traum haben. Da ich allerdings nicht einschlafen durfte, stand ich auf und machte mich an das Auspacken meines Reisegepäcks. Als ich gerade dabei war meine Shirts in den Kleiderschrank zu hängen, klopfte es an die Tür. Erschrocken warf ich das Kleid, welches ich mit Natalie für das Treffen mit dem Management gekauft hatte, auf das Bett und öffnete die Tür. Vor mir stand ein Mitarbeiter des Hotels.

»Miss Auer. Wünschen Sie irgendetwas?«

»Nein danke. Es ist alles zu meiner Zufriedenheit.«

»Schön. Fühlen Sie sich wie zu Hause. Sollten Sie dennoch etwas brauchen, zögern Sie nicht mich zu kontaktieren.«

Er drehte sich um und entfernte sich einige Meter, doch mir brannte seit meiner Ankunft eine Frage auf den Lippen.

»Wie komme ich zu dieser Ehre, in ein solch luxuriöses Hotel übernachten zu dürfen?« Der Mann kam zu mir zurück und stand nun keine 15m mehr von mir entfernt. Aber er sprach nicht. Er schien noch zu überlegen, ob er sein Wissen mit mir teilen sollte. Als ich allerdings schon aufgeben und in mein Zimmer gehen wollte, fang er an sein Wissen mir zu offenbaren.

»Nun Miss Auer. Die Leute hinter FMM sind gern gesehene Gäste in unserem Hotel und diese Herrschaften haben mich persönlich beauftragt um Ihr Wohl zu sorgen.«

»Ich fühle mich geehrt, aber dies beantwortet meine Frage nach dem „warum“ nicht.«

»Kann ich verstehen. Aber mir scheint es, dass Sie die Führungskräfte von FMM schwer beinduckt haben.« Mit diesen Worten drehte er sich endgültig um trat den Weg zurück an seinen Arbeitsplatz an. Ich stand noch verwirrt auf dem Hotelflur. Konnte ich wirklich mit meiner Idee so viele Menschen beeindrucken? Ein Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass ich mich schleunigst umziehen sollte, da Marco in den nächsten zwanzig Minuten eintreffen würde.



Als ich die Lobby des „Sunshine Plaza“ betrat, erwartete mich Marco bereits.

»Che bello vestito signora. Wunderschön.«

Geschmeichelt von dem Kompliment über mein Kleid schenkte ich ihm ein Lächeln. Tobias hatte mir schon lang nicht mehr ein Kompliment über meine Kleidung gemacht. Es tat wieder gut ein solches zu erhalten.

»Lassen Sie uns zu meinem Wagen gehen.« Ich nickte. Marco wusste als waschechter Italiener, wie man mit einer Frau umzugehen hat, denn er hielt mir wie ein Gentleman die Tür der Beifahrerseite auf. Ich stieg ein und ließ mich von ihm durch Rom kutschieren. Die Fahrt verging eigentlich ziemlich schnell, denn Marco fragte mich über die verschiedensten Dinge aus, so auch über meinen Beziehungsstatus.

»Ja, ich habe einen Freund. Ist aber eine komplizierte Geschichte.«

»Lautet das Problem zufällig „Street Friendz“?«

»Woher weißt du das?« Marco lachte.

»Wenn man fleißig Zeitungen durchblättert wie ich, dann wird seit letzter Zeit nur immer von einer Fanaktion einer deutschen Bloggerin gesprochen. Das bist nicht zufällig du?«

»Ja das bin ich.«

»Coole Aktion übrigens. Lass mich raten. Dein Freund ist nicht gerade begeistert darüber, dass du so viel Zeit für die Aktion und für die Band aufbringst?« Wieder nickte ich. Kennt Marco mich wirklich nach nur einem Tag so genau? Ich konnte es nicht glauben. Ehe ich ihn darauf ansprechen konnte, hielt er vor einem großen feinen Restaurant.

»Hier bitteschön. Wir haben unser Ziel erreicht. Die Frau Weiss erwartet sie im „Il Gianfornaio“.«

»Danke Marco.« Ich öffnete die Tür seines Wagens und stieg aus. Ich marschierte zielstrebig auf das große Restaurant zu. Drinnen angekommen empfing mich die Wärme, die draußen fehlte. Sie kam von einem gemütlichen alten Kachelofen. Die Inneneinrichtung war sehr antik und ließ auf eine extravagante und spezielle Küche schließen.

»Guten Abend. Frau Auer? Mein Name ist Franziska Weiss.«

»Schönen guten Abend. Vielen Dank für die Einladung. Freut mich sehr Sie kennenzulernen«, begrüßte ich die junge Frau in dem beigen Kostüm.

»Die Freude ist ganz auf unserer Seite. Sie haben sich sehr viel einfallen lassen und haben uns schwer beeindruckt. Auch die Bandmitglieder haben sich sehr darüber gefreut. Sie sind auch der Grund warum Sie hier sind. Sie wollen Sie unbedingt kennenlernen.«

»Das ehrt mich wirklich.«

»Nun nehmen Sie doch Platz. Ich will Ihnen die Details für morgen erklären.« Ich bedankte und setzte mich auf den Platz, den mir die Agentin der Band zugewiesen hatte.

Ein Kellner nahm meinen Getränkewunsch entgegen. Da ich nie etwas Alkoholisches zu mir nahm, bestellte ich bei ihm einen Crodino. Laut Google war dies ein typisch italienisches alkoholfreies Getränk, welches gerne mit Eiswürfeln und Orangenspalten serviert wird. Nachdem der Kellner auch den Getränkewunsch der Managerin aufnahm, verschwand er wieder hinter der Bar.

»Wie ich schon erwähnt habe, waren die Mitglieder von „Street Friendz“ sehr angetan und sprachlos von ihrer Aktion. Das Treffen findet übrigens vor dem Konzert statt. Das hier ist übrigens das Ticket für das Konzert und das Treffen. Bitte führen Sie diese Karte immer mit sich, denn so können die Sicherheitskräfte sie erkennen und zu dem ausgemachten Treffpunkt bringen.« Ich nickte und bedankte mich, während sie mir die Karte aushändigte.

»Eine Frage hätte ich da allerdings noch«, fing ich zögerlich an.

»Schieß los. Was bedrückt dich Kindchen?«, fragte die 53-jährige Frau, die ganz plötzlich in das Du überging. Da es mich nicht störte schüttete ich ihr mein Herz aus.

»Mich wundert es, dass ich so gut von euch behandelt werde. Ich schlaf in einem 5 Sterne Hotel, bekomme meinen eigenen Fahrer und Butler. Ich frage mich womit ich das alles verdient habe.«

»FMM und die Band wollte ja sichergehen, dass dir hier in Italien nichts fehlt. Ich persönlich finde es eine schöne Geste.« Damit war für die ältere Dame anscheinend das Thema beendet, denn sie widmete sich nun dem Essen, welches vom Kellner serviert wurde. So blieb mir nichts anderes zu tun, als es ihr nachzutun.

Nach dem Essen verabschiedete ich mich von Franziska, bedankte mich recht herzlich und wünschte ihr noch einen angenehmen Abend.



Als ich endlich in meinem Hotelzimmer stand, konnte ich die Augen kaum mehr aufhalten. So müde war ich. Dem Kleid entledigte ich mich noch schnell und danach fiel ich in mein Himmelbett und schlief sofort ein. Ich träumte von dem Abend, an dem ich endlich meine Idole persönlich kennenlernen durfte.


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